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"Echinocorys"
…oder von
der Schwierigkeit, Seeigel fachlich zu bestimmen Die
Varianten des "Echinocorys" sind vielfältig. Selbst die
Einzelbestimmung der Fachleute gehen oft auseinander. Wir werden
jedoch am Ball bleiben und an dieser Stelle weiterhin versuchen
mehr Klarheit zu schaffen. Erste Erklärungen hierzu entnehmen sie
dem Bericht auf dieser Seite.
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Zur
Bildtafel rechts:
Echinocorys sulcata
Ein am Limfjord häufiger Seeigel. Sehr
gut erhaltene Exemplare sind hier aber nicht häufig. Da findet man in Dalbyover
wesentlich mehr.
Abb. rechts oben: Echinocorys sulcata.
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g g
(L=64,
B=53, H=53) Ein unbeschädigtes Exemplar in Schalenerhaltung, wie sie recht
selten sind. Gut sind die für Echinocorys üblichen Positionen von
Peristom und Periprokt zu erkennen. Auch die einzelnen Platten sind auf der
Oberseite des Seeigels gut zu sehen. Unten befindet sich noch eine
Anwachsstelle einer Auster. Derartiger Bewuchs ist häufiger zu entdecken
(oftmals Bryozoen). Auch Bissstellen von Fischen (Haie), Krebsen und regulären
Seeigeln sind bei Schalenerhaltungen keine Seltenheit.
Abb. recht
unten: Echinocorys sulcata.
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g g
(L=67,
B=53, H=53) Ein gut erhaltener Steinkern derselben Art. Derartige E. sulcata sind am Limfjord leider
meistens beschädigt. Auch hier ist der grundsätzliche Aufbau der Gattung Echinocorys
gut zu erkennen. Teilweise haften noch Reste des Gehäuses (Corona) am schwarzen
Flint (= Feuerstein).
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Zur Bildtafel links:
Echinocorys obliqua Diese Art ist
der häufigste Seeigel am Limfjord. Wir
wollen aber durch die Darstellung unterschiedlichster Erhaltungen zeigen, dass
es durchaus interessant sein kann, sich mit ihr zu befassen.
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Abb. 1: Echinocorys
obliqua. (L=34;
B=32; H=23) Ein Exemplar in Schalenerhaltung, wie es am Limfjord nicht allzu
häufig zu finden ist. Besonders gut sind hier die einzelnen Platten zu
erkennen. Dadurch wird deutlich (Bild 1d), dass eine Anomalie im Plattenaufbau
existiert. Echinocorys obliqua als jüngste Art der Echinocorys
scheint sich – ähnlich wie Galerites vulgaris – dadurch auszuzeichnen,
dass rel. häufig Gehäusemissbildungen vorkommen. (vgl. Lit.-Liste über
fehlwüchsige Exemplare).
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Abb. 2: Echinocorys obliqua. (L=27;
B=26 ; H= 16) Ein gut erhaltener Flintsteinkern. Diese Erhaltungsform ist
wegen der Härte von Flintstein sehr viel häufiger als die Schalenerhaltung.
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Abb. 3: Echinocorys
obliqua. (L=28;
B=25; H=17) Ein weiterer Flintsteinkern, bei dem die Plattenabdrücke auf der
Unterseite gut sichtbar sind.
f
Abb. 4: Echinocorys obliqua. (L=33;
B=29; H=22) Das Besondere bei diesem Exemplar ist, dass die Plattengrenzen
(Suturen) und zum Teil die Ambulakralöffnungen im Flintstein vertieft
dargestellt sind. Dadurch bekommt die Oberfläche ihr markantes Aussehen.
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Abb. 5: Echinocorys obliqua. (L=35;
B=32; H=27) Auch dieses Exemplar zeigt ein auffälliges Äußeres. Während
normalerweise nur die Bereiche um die Ambulakralöffnungen mit Opal bedeckt sind
(S. Abb. 2 und 3), sind es hier die ganzen Platten.
h Abb. 6: Echinocorys
obliqua. (L=33;
B=35; H=25) Dieser Seeigel liegt noch in Schalenerhaltung vor, ist aber schon
soweit abgerollt, dass der schwarze Flintstein schon durchscheint.
h Abb. 7: Echinocorys
obliqua. (L=42;
B=35; H=28) Bei den meisten Steinkernen ist der Bereich um die
Ambulakralöffnungen nach innen ausgespült bzw. vertieft (s. z.B. Abb.2). Dieses
Exemplar stellt das Gegenteil dar. Die Ambulakralöffnungen sind mit Flint ausgefüllt
gewesen und beim Auflösungsprozess der Platten stehen geblieben. Auch wenn es
für den Laien so aussieht, es sind natürlich nicht die Stacheln des Seeigels!
Dieses gilt für vier Ambulakralreihen. Die Öffnungen der Reihe 3, die vom
Apikalfeld zum Peristom verläuft (Abb. 7c), sind wie üblich nach innen
ausgewaschen. Ein interessanter Mix!
h Abb. 8: Echinocorys obliqua. (L=43;
B=35; H=32) Ein relativ spitzes Exemplar.
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j Abb. 9: Echinocorys obliqua. (L=40;
B=38; H=18) Ein besonders flaches Exemplar. Die beiden Seeigel von Abb. 8 und
Abb. 9 zeigen keinerlei Anzeichen von Verquetschungen und Verschiebungen,
sodass davon ausgegangen werden kann, dass sie zu Lebzeiten ähnliche
Proportionen hatten. Echinocorys ist eben eine vielfältige Seeigelgattung. Das
zeigt sich hier wieder.
j Abb. 10: Echinocorys obliqua. (L=44;
B=36; H=29) Wenn man von schlecht erhaltenen Schalenerhaltungen, bei denen man
sicher ist, dass sie einen Flintsteinkern enthalten (z.B. Abb. 6), in Salzsäure
legt (kurz! Vorsicht), kann man Glück haben und solch eine feine Struktur
erkalten. Hier sind die feinsten Einzelheiten der Plattenabdrücke im Flintstein
zu erkennen, sozusagen ein Negativabdruck der Gehäuseinnenseite).
j Abb. 11: Echinocorys obliqua. (L=40 ; B=36 ; H=29)
Auch wenn zu erwarten ist, dass dieses Exemplar nach einem Säurebad einen
schönen Steinkern freigeben würde, wäre es schade drum. Dieser rundum
abgerollte Seeigel lässt auch so interessante Beobachtungen zu. Z.B. sind hier
die feinen Ambulakralöffnungen als kleine Löcher erkennbar. Und die Platten des
Flintsteinkerns scheinen durch die noch verblieben Schale schwarz hindurch
(vgl. auch Abb. 6)
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1
2
3 Abb.
1: Seeigel in Schalenerhaltungen versch. Größen Abb.
2-3: Seeigel-Steinkerne versch. Größen, bei denen sich die
Schale gelöst hat
Kleine
Anekdote aus dem Wartezimmer einer Arztpraxis:
Ich sitze im Wartezimmer
meines Arztes, die Helferin – die mich und mein Hobby kennt – kommt auf mich zu
und sagt: “Wir waren im Sommer in Dänemark an der Ostsee und da habe ich einen
großen Seeigel gefunden. Können Sie mir sagen, was für…“? Ich sage: „Ja, es ist
ein Echinocorys!“ Sie stutzt: „Aber Sie haben ihn doch noch gar nicht gesehen!“ Sie hat ihn dabei; und in der Tat, es ist ein Echinocorys.
Ist das Bestimmen von
versteinerten Seeigeln so einfach? Leider nicht.
Aber die Stichworte: großer
Seeigel, Dänemark, Ostsee lassen kaum einen anderen Schluss zu. Damit ist aber
auch erstmal das vorläufige Ende erreicht.
Die Gattung Echinocorys ist
im Geschiebe und im Anstehenden im Norden (Oberkreide, Danium) am häufigsten
vertreten. Und eine Gattungsbestimmung ist rel. leicht. Eine Verwechslung mit
ähnlichen Gattungen ist so gut wie ausgeschlossen. Aber bekanntermaßen sind die
meisten Gattungen ja in verschiedene Arten unterteilt. Und hier beginnt die
Schwierigkeit. Und gerade bei Echinocorys hat es zu einer Arten-Inflation
geführt. Jeder Aufschluss, jede Grube bringt offensichtlich ihren Echinocorys
hervor. Nun zeichnen sich Lebewesen einer Art ja definitionsgemäß dadurch aus,
dass sie untereinander fortpflanzungsfähig sind (so gehören z.B. alle Hunde zu
einer Art (Canis Lupus)). Dieses Kriterium ist auf ausgestorbene Arten nur
begrenzt anwendbar, so dass andere Kriterien wie Größe, Form und Aussehen zur
Unterscheidung herangezogen werden müssen. Man greift als Hobbysammler also zu
seinen Büchern und Aufsätzen, um Näheres zu erfahren. (s. Literaturhinweise). Und
hier stößt man dann auf die erwähnte Vielfalt von Arten-Namen.
Versucht man nun seinen Igel
mit den Fotos oder Skizzen in den Bestimmungsbüchern zu vergleichen, so kommt
man meistens zu keinen klaren Ergebnissen. Die zwei Fotos von
Echinocorys-Varianten von einem nur ca. zwei Kilometer breiten Strandabschnitt
vom dänischen Limfjord mögen das belegen. Bei den kleinen Exemplaren kann man
sicherlich davon ausgehen, dass es sich um E. obliqua (früher obliquus) handelt
und die großen kann man E. sulcata zuordnen. Aber wo ist die Grenze? Oder gibt
es noch andere Arten von Echinocorys? Ein Experte könnte bei den Exemplaren in
Schalenerhaltung vielleicht noch Näheres sagen. Aber bei den reinen
Flintsteinkernen ist man auf die Angabe Echinocorys sp. beschränkt. Die Autoren
Smith und Wright z.B. nennen alle Echinocorys aus dem Campan scutata LESKE,
1778, und lassen die Unterschiede nur als forma-Anhänge zu.
Nun stellt sich natürlich
die Frage: Wie schlimm ist das für uns Sammler?
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Letztlich muss das jeder für
sich beantworten, ob er mit der rel. Ungewissheit klar kommt. Meine Meinung
ist, dass wir Hobby-Sammler uns nicht verrückt machen lassen sollten. Freuen
wir uns an den schönen Versteinerungen. Besonders bei den Steinkernen ist die
Variationsbreite enorm: es gibt keine zwei gleichen!
Nun sagen einige, dass das
Sammeln nur einer Gattung auf Dauer
etwas fad ist. Dem ist zu entgegnen: besonders bei Fossilien, die rel. häufig
sind, kann man auch besonderes entdecken: so z.B. Vier- oder Sechstrahler, oder
Exemplare mit sonstigen Besonderheiten (z.B. Bewuchs oder Bissspuren). Außerdem
hat man ja immer die Chance, andere Gattungen und Arten zu finden.
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Quellenverzeichnis
/ Literaturauswahl:
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Einige Informationen
zum "Echinocorys"
finden sie auch unter gleichnamigen Suchbegriff im Internet,
z.B. bei
Google oder MSN. - Arbeitskreis Paläontologie
Hannover (2005): Fossilien aus dem Campan von Hannover. 94 Seiten, viele Fotos. - Gravesen, Palle (1993):
Fossiliensammeln in Skandinavien.248 Seiten, viele Abbildungen. Goldschneck-Verlag.
Weinstadt. - Krüger, Fritz J. (1983):
Geologie und Paläontologie: Niedersachsen zwischen Harz und Heide.244 Seiten.
Viele Bilder, Tabellen und Tafeln. Kosmos-Verlag. Stuttgart. - Hucke, Kurt, Voigt Erhard
(1967): Einführung in die Geschiebeforschung.132 Seiten. 50 Tafeln. Nederlanske
Geologische Verenigung. Oldenzaal. - Murray, John W. (Hrsg.)
(1990): Wirbellose Makrofossilien. Ein Bestimmungsatlas. 266 Seiten. 1596
Einzeldarstellungen. Enke-Verlag. Stuttgart. - Owen, Ellis, Smith, Andrew B. (Hrsg.) (1991): Kreide-Fossilien. Ein Bestimmungsatlas. 152 Seiten. Viele
Bilder. Goldschneck-Verlag. Weinstadt. - Richter, Andreas E.
(1991): Handbuch des Fossiliensammlers. 461 Seiten. Viele Bilder, Tabellen und
Tafeln. Kosmos-Verlag. Stuttgart. - Schultz, Werner (2003):
Geologischer Führer für den norddeutschen Geschiebesammler 508 Seiten. Viele
Bilder. cw-Verlagsgruppe. Schwerin. - Smith, A. B. & Wright, C. W. (2003): British cretaceous Echinodea.
Mon. Pal. Soc., London
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